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T A L S P E R R E

In den Jahren 1902 bis 1904 wurde im Wald über der Hütte, welcher zum Schloß Eisenberg gehörte, im Taleinschnitt zwischen Tannich und Seeberg von eigens hierfür aus Italien geholten Facharbeitern eine Talsperre errichtet, die zunächst den Namen Eisenberger Talsperre erhielt, aber später zu Ehren des damaligen Erbauers, des Herrschaftsbesitzers Moritz von Lobkowitz in Moritz-Talsperre umbenannt wurde. Diese Talsperre versorgte sowohl Gesamt-Kunnersdorf als auch Neudorf, Holtschitz und Seestadtl mit Trink- und Nutzwasser. Wegen dieser großen Entfernung, die das Wasser zurücklegen mußte und dabei den Wasserdruck verlor, errichtete man einen Wasserturm bei Neudorf, der diesen Druck regeln sollte. Am Fuß der Talsperre befand sich ein Wärterhaus, das die Familien Schepke und Babinski im Wechsel bewohnten. Die Talsperre erhielt ein Wärterhaus und zwischen Talsperre und Wärterhaus einen Wasserfilter.

 

Quelle des Talsperrenzuflusses Verlauf des Eisenberg-Waldbaches Waldbach  vor der Einmündung

Quelle des Talsperrenzuflusses

Verlauf des Eisenberg-Waldbaches

   Waldbach  vor der Einmündung   

 

Gespeist wurde und wird immer noch die Talsperre vom Eisenberger Waldbach, der seine Quellen auf der Hochfläche des Erzgebirges, südlich des "Bernsteins" hat. Das vom Waldbach durchflossene Tal nannte man Mariental, es beginnt südlich des Forsthauses Rote Grube und reicht bis zum Feldweg, der vom Kunnersdorfer Forsthaus an immer am Gebirgsfuß entlang gegen Eisenberg verläuft. In der Talmitte befindet sich die Moritz-Talsperre.

Die steilen Talwände bilden (von unten betrachtet) links der Tannich mit der fast senkrecht abfallenden Stelle des Theresiensitzes und rechts der Seeberg. 

 

Zuflußanlage unmittelbar an der Talsperre von oben Zuflußanlage unmittelbar an der Talsperre von unten

Zuflußanlage unmittelbar an der Talsperre von oben fotografiert

 

Zuflußanlage unmittelbar an der Talsperre von     unten fotografiert

Talsperre

Talsperre von oben. Rechts im Hintergrund der kaskadenartigen Ablauf

 

Die Staumauer hat eine Höhe von 16,7 m, die Fläche des Wasserspiegels bei größter Stauhöhe mißt 64,25 ar, das Becken selbst faßt eine Wassermenge von 58.850 cbm.

Talsperrenmauer Talsperrenmauer

Die Talsperrenmauer. Diese beiden Bilder wurden 2004 Ende August aufgenommen.

 Das untere Bild zeigt die kaskadenförmige Ablaufrinne deutlich. Es ist eine alte Aufnahme.

Talsperre mit Ablaufrinne

 

Das überlaufende Wasser wurde und wird immer noch  durch eine kaskadenförmige Ablaufrinne zur Talsohle geleitet und wurde wieder zum Waldbach, der das das neue Schwimmbad auf dem Turnplatz speiste. Der Ablauf des Schwimmbades floß dann wiederum als Waldbach in den Tropschugteich und hinter der Tropschugmühle in den Dorfbach.

Wie die Chronik des Lm. Karl Kraus berichtet, war der Wasserspiegel der Talsperre im Jahre 1929 durch Hitze und Trockenheit um 8 Meter gefallen, das Filterspeisrohr lag 1 m frei über dem Wasserspiegel. In dieser Zeit wurden die Wasserleitungen gesperrt und nur vormittags ab 9 Uhr so lange geöffnet, bis 28 cbm Wasser durch den Wassermesser gelaufen waren. Begründet wurde diese Maßnahme mit der Tatsache, daß nur noch für 14 Tage Wasser vorhanden wäre, wenn kein Regen käme. Die Einwohner hat man in dieser Zeit bei anderer Verwendung des Wassers als zum Trinken und Kochen mit einer Strafe von 50,– Kronen belegt, die Höhe dieser Strafe macht die Wassernot deutlich. –

Eine zweite Trockenheit infolge Regenarmut wurde im Sommer 1934 verzeichnet, wo wiederum zur äußersten Sparsamkeit aufgerufen und sogar mit der Totalsperrung der Leitung gedroht wurde. Wie 1928 hatte man auch hier die Sperrung nur einige Stunden pro Tag aufgehoben.

Vor dem Bau der Moritz-Talsperre benutzten die Ortsbewohner Kunnersdorfs das Wasser des durchfließenden Dorfbaches als Nutzwasser, das Trinkwasser holten sie aus dem Kellerbrunnen des Hauses Nr. 16 (nachmals Käserei Laube), aus dem Hirtenbrunnen auf der Hirtenwiese (Hirtenwiese ist den Erzählenden nicht mehr bekannt) und aus dem Schulbrunnen (alte Schule zwischen Jugl-Schmiede und Tropschug, sie war von der Familie Böttcher bewohnt, wurde aber während des Krieges abgerissen).

 

Niedrigstand der Talsperre 1933

Niedrigstand der Talsperre 1933

Wasserfilter unterhalb der Talsperre Wasserdruck-Ausgleichsturm bei Neudorf

Wasserfilter unterhalb der Talsperre

Wasserdruck-Ausgleichsturm bei Neudorf

Das Talsperrenwärterhaus einst Das Talsperrenwärterhaus heute

Das Talsperrenwärterhaus (Schöpke/Babinski)

links einst und oben heute (Herbst 2004)

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Wie die hier beigefügten Bilder beweisen, lag die Talsperre landschaftlich sehr schön. Obwohl abgesperrt, war sie seinerzeit ein beliebtes Ziel so manchen Spazierganges.

 

Aus der Zeit des Talsperrenbaues ist der Italiener Bentivoglio in Kunnersdorf verblieben. Er gründete eine Familie und baute am Eingang des Ortsteils Hütte ein großes Haus. Seine Kinder waren sehr beliebt und verheirateten sich mit Kunnersdorfern.